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ATU will Umsätze mit Autoglas forcieren
Unter dem Renditedruck des ATU-Eigentümers Hedgefond KKR leiden nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch die Kunden und deren Versicherungen. So berichtete das Magazin DER SPIEGEL unlängst in seiner Ausgabe 9/2009.

Die schlechten Nachrichten über die Situation bei ATU wollen einfach nicht verstummen. Schon im vergangenen Jahr berichteten wir mehrfach über die Schieflage des Unternehmens, welches nun besonders mit dem Verkauf von Autoglas wieder in die Gewinnzone kommen will. Um die Firma 2008 vor der Insolvenz zu retten, verzichteten die Mitarbeiter auf Prämien und nahmen Überstunden in Kauf, die nicht bezahlt wurden. Trotz solcher Opfer, so berichtete der DER SPIEGEL, brach das ehemals erfolgreiche Familienunternehmen des Peter Unger fast zusammen. Nur durch eine Kapitalspritze von KKR in 2008 über 140 Mio. Euro, konnte das "Aus" für ATU abgewendet werden. Verbunden war diese Aktion mit der Entlassung von 1.600 Mitarbeitern und der Umstellung vom Zwei- auf den Einschichtbetrieb. Verschärft wurde die Situation noch die Herabstufung des "Ratings" der Agentur Standard & Poor's von B+ auf Ramschstatus CCC.  Die neuerlichen Renditeerwartungen der Gesellschafter und der Geschäftsleitung wollen sich immer noch nicht so recht einstellen. Deshalb wurden Angestellte "zwingend aufgefordert", die Umsätze "zu forcieren". Mit der Androhung von Testkäufen und Testanrufen wird zusätzlicher Druck erzeugt. Verstärkter Verkauf von Verschleißteilen ist angesagt, weil hier die Marge am größten ist und der Kunde sich in diesem Preisgefüge am wenigsten auskennt. Einfacher ausgedrückt, wer nicht genug verkauft, fliegt raus. KKR bestreitet das zwar, jedoch der Kunde bekommt es zu spüren.So berichtete ein Mitarbeiter, dass er mindestens eine Frontscheibe pro Tag verkaufen müsse. Das sei Vorgabe, egal wie. Zögere der Kunde, wird der Holzhammer hervorgeholt und ihm eben ein bisschen Angst gemacht, was die Sicherheit angehe, gab der Mann beschämt zu. ATU-Chef Kern tut das zwar als Einzelfälle ab, gibt jedoch zu, dass es im mittleren Management "hier und da Führungsdefizite und Qualifizierungslücken" gebe. Deshalb  habe man inzwischen das Budget für Mitarbeiterschulungen verdoppelt.Erschreckend, wie hier Ruf schädigend, auf Kosten unserer Branche der Autoglas- Spezialisten, zusätzlicher Ersatzbedarf größtenteils zu Lasten der Kfz-Versicherer generiert wird. Aber ATU's wichtigster Wettbewerber CARGLASS macht und machte es mit seine "Kraaaach-Radiowerbung" vor, wie man durch Angstgefühle Umsätze steigern kann.In diesem Zusammenhang würden wir gerne einmal deutliche Aussagen der Versicherungswirtschaft hören. Besonders von denen, die seit Jahren gar nicht genug Werbung für ATU und CARGLASS machen können und dabei die unabhängigen Einzelunternehmen zunehmend vom Geschäft ausschließen.

ATU-Chef Kern und Investor KKR wollen jetzt in ihren Betrieben "mehr Transparenz, Verantwortung und Vertrauen schaffen", für Mitarbeiter und Kunden. Bei letzteren soll das nur noch durch "ehrliche Verkäufe" passieren. Den Mitarbeitern fehlt vorerst noch der Glaube in Kerns und KKR's Aussagen. Immer mehr Filialen organisieren sich gewerkschaftlich, im vergangenen Jahr hat sich die Anzahl der Betriebsräte auf fast 160 verdoppelt.

 

Quelle: autoglaser.de (03.03.2009)  

 
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